WWOOFen in Australien
Noch vor drei Monaten im Examsstress in Oldenburg/Deutschland, sitze ich heute wieder am Schreibtisch, aber in Cleveland/Australien.
Kurz vor dem Ende meines Studiums, habe ich mich entschieden, noch vor dem Referendariat, gemeinsam mit einer Freundin, nach Australien zu fliegen.
Zwei Wochen nach der Zeugnisuebergabe ging es los:
Oldenburg – Frankfurt – Seoul – Sydney.
In den ersten Wochen waren wir viel unterwegs, erlebten und entdeckten Sydney, Melbourne, die Blue Mountains und die Ostkueste bis nach Brisbane hoch.
Wir trafen viele andere Backpacker, die genau wie wir am Reisen, aber auch auf der Suche nach Arbeit sind, denn viel reisen kostet viel.
Immer wieder hoeren wir davon, dass es Familien in Australien gibt, die Backpackern die Moeglichkeit geben, fuer Kost und Logie bei ihnen zu arbeiten.
Meist haben diese Familien ein groesseres Stueck Land, auf dem sie Obst und Gemuese anbauen oder Tiere halten, wofuer sie hin und wieder eine helfende Hand brauchen koennen.
Geld verdienen kann man hier jedoch nicht. Und das nennt sich dann WWOOFing – Willing Workers On Organic Farms.
Die Idee, bei einer Familie zu leben, echten australischen Alltag zu erleben und dabei wahrscheinlich noch englisch zu lernen, klingt interessant. Also kaufen wir uns das WWOOFing Book Australia, in dem wir alle Adressen finden und das uns zu echten WWOOFern machen soll.
Nach sechs Wochen Unterwegssein, zehn Hostels, gefuehlten 100 Stunden Busfahrt und noch mehr Mitbewohnern, brauchen wir eine Pause. Heisst, wir wuerden gern laenger an ein und dem selben Ort bleiben und ganz normal leben, ohne darueber nachdenken zu muessen, welche Sehenswuerdigkeit wir uns denn morgen unbedingt noch ansehen muessten.
Eine Aufgabe fuer den Tag haben und nicht immer auf gepacktem Rucksack und Lonely Planet sitzen, warten darauf, dass was Neues kommt, dass es irgendwie weiter geht.
Denn den naechsten Bus zu buchen, die Free Internet Flyer der Backpackerreiseunternehmen einzuloesen, um bei Gumtree nach Arbeit zu suchen oder unseren Familien eine motivierte “Ich lebe noch Mail” zu schreiben und immer wieder “Sorry we are fully booked” von den Hostels zu hoeren, erfuellt mich nach sechs Wochen nicht mehr mit dem gleichen Enthusiasmus und dem Gefuehl der absoluten Freiheit Australiens wie am Anfang. Ausserdem wuerde Geld sparen mal ganz gut tun.
Der richtige Moment, sich das Buch mit den vielen Adressen zu nehmen und auf die Suche nach einer Familie mit Aufgaben fuer uns zu gehen.
Nach einer gut ueberlegten E-Mail, in der man ein bisschen ueber sich selbst berichtet, beginnt das Warten auf Antwort. Kann die Familie gerade jemanden brauchen und sind wir die Richtigen?
Kurz vor dem ersten Treffen mit einer neuen Familie bin ich persoenlich immer sehr aufgeregt. Ich meine, das sind voellig fremde Menschen, in deren Haus ich da die naechsten Tage oder Wochen leben soll.
Was sind das fuer Menschen? Wie leben sie? Was denken sie ueber mich? Passt das mit uns? Wenigstens sind wir zu zweit und koennen uns gegenseitig wie auch immer unterstuetzen.
Bisher musste ich keine schlechten Erfahrungen machen. Ich denke, wenn man neugierig auf andere Menschen und deren Leben ist, offen auf sie zugeht und sich auch auf Ungewohntes einlassen kann, kann man nicht sehr viel falsch machen und erlebt jede Menge.
Dann bekommt man vielleicht auch die Chance, seinen Schreibtisch in Deutschland gegen einen in Cleveland/Queensland auszutauschen, auf Palmen zu gucken und von seinen bisherigen Erfahrungen mit dem WWOOFen in Australien zu berichten.
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