Kulturschock Australien
Bevor ich in Australien angekommen bin, war mir nicht klar, auf wie viele Asiaten ich hier treffen würde. Naja, to be honest, hab ich da auch gar nicht drüber nachgedacht. Aber es gibt sie. Und ich meine nicht nur die, die klischeehaft in Touribussen angefahren werden, in Massen die Sehenswürdigkeiten erstürmen, von allem und jedem Fotos schießen und dabei immer freundlich lächeln. Wir haben viele junge Leute aus Asien getroffen, die z.B. für einige Monate nach Australiengeflogen sind, um Englischkurse zu belegen.
Ich selbst musste mich kulturtechnisch auf keine Besonderheiten in Down Under einstellen. Eigentlich ist es hier ja wie zu Haus… nur das Wetter ist besser, die Wellen größer und die Menschen, die lediglich eine andere Sprache sprechen, irgendwie freundlicher und aufgeschlossener Fremden gegenüber. Die Spielregeln hier sind die gleichen: ich muss mich auf keine unbekannte Religion einstellen oder fremdes, gewöhnungsbedürftiges Essen zu mir nehmen. Ich muss nachts allein auf der Straße keine Angst um mich haben und ich werde nicht mit bettelnden Straßenkindern konfrontiert.
Um eine Art Kulturschock-Situation zu erleben, musste ich in Australien erst auf eine Asiatin treffen. Maki kam aus Japan und wir haben sie in unserem ersten Hostel in Sydney kennen gelernt. Sie war schon seit mehreren Monaten unterwegs, hatte lange in einem Kindergarten gearbeitet und war, wie eigentlich alle, begeistert von diesem Kontinent.
Auf unserem Zimmer wohnte außerdem noch ein Holländer, der Sydney nach über 3 Monaten gut kannte und uns versprochen hatte, abends mal mit uns wegzugehen, um uns auch Bars und Clubs zu zeigen, in die Australier gehen. Maki schloss sich uns an. Was sie nicht wusste: der Holländer war schwul und wir auf dem Weg in die Oxford Street, in der sich einschlägige Lokale befinden.
Die erste Bar war eigentlich noch recht harmlos. Männer, die Männer küssen, Frauen, die Frauen küssen. In unseren westeuropäischen Augen nichts Besonderes. Aber Maki hat vor, ja ich muss das so sagen, vor Entsetzen den Mund nicht mehr zugekriegt. Sie konnte überhaupt nicht verstehen, wie alle anderen herum, das tolerieren können und so gar kein Problem damit haben. In Japan würde es so etwas nicht geben!!! Wir wurden mit tausend Fragen gelöchert: Ob das in Deutschland auch so wäre, was mit den Menschen passiert wäre, dass sie so geworden sind und was man dagegen unternehmen würde? Jetzt war ich geschockt. Natürlich ist mir klar, dass Homosexualität in vielen Ländern immer noch tabu oder sogar strafbar ist, aber mit so einer Reaktion hatte ich hier in Sydney nie im Leben gerechnet. Der Holländer hat aber super reagiert, fühlte sich überhaupt nicht angegriffen und hat wirklich versucht Maki zu erklären, was man da so erklären kann.
Um ihr die volle Dröhnung zu geben, sind wir nach ein paar Bier in einen Club, in dem an diesem Abend eine Travestie-Show lief. Männer in pompösen, bunten Kleidern, andere nur mit knappen Boxershorts bekleidet. Maki kam aus dem Staunen und Beobachten (Tendenz zum Starren) nicht raus. Alles wurde fotografiert, was mir dann allerdings auch n bisschen peinlich war. Aber nun gut, wir hatten sie mitgeschleppt und sie war wirklich tapfer. Und neugierig war ich selbst ja auch. So eine Show gehört nämlich auch nicht zu meinem allwöchentlichen Abendprogramm :-).
Wir hatten am Ende einen fantastischen sehr lustigen Abend mit bunten Menschen, guter Musik und viel Bier. Maki hat auch am darauffolgenden Tag noch viel von der Tour geredet und ich bin mir sicher, dass sie uns und den „schwulen Holländer“ ihr Leben lang nicht vergessen wird!!!

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